ENSA: Sorge um Qualität der Pflegeausbildung
Die European Nursing Students Association*, kurz ENSA, hat sich vom 8. bis 11. Juli in Berlin zum Annual General Meeting 2009 getroffen und beschreibt in einem Statement die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Qualität der Ausbildung in der Pflege, nachdem ihr ein Mitglieder-Report des Europäischen Pflegeverbands (EFN) zugeleitet wurde. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß ein Raubbau in der Ausbildung zu Lasten der Patienten und der Schüler/Studenten festgestellt wurde:
…dass die gestiegene
Arbeitsbelastung der Pflegekräfte unmittelbare Folgen für die Ergebnisse unserer
klinischen/praktischen Ausbildung hat. Pflegekräfte arbeiten nicht nur für Patienten und
ihre Gesundheit und Sicherheit, sonders auch als Mentoren, Praxisanleiter und Lehrende
für Pflegeschülerinnen und –schüler während ihres klinischen Einsatzes. In Krisenzeiten
sollten Gesundheitsversorgung und Pflege für alle Bürger zur Verfügung stehen und ihre
Qualität nicht kurzfristigen finanziellen Interessen zum Opfer fallen. Es ist von großer Bedeutung,
sowohl Geld in das Gesundheitssystem zu investieren als auch dafür eine
bestmögliche Versorgung der Bevölkerung zu erzielen.
Im Anschluß an die Kritik gibt die ENSA folgende Empfehlungen für die Ausbildung/das Studium in der Pflege:
- Etwa die Hälfte unserer Ausbildung verbringen wir im praktischen/klinischen Einsatz.
Darum ist es von größter Wichtigkeit, dass unsere Mentoren nicht nur als Anleiter,
sondern auch als Pflegefachkräfte hoch qualifiziert, professionell und kompetent sind.- Die Einsatzorte der praktischen Ausbildung müssen genügend Pflegefachkräfte
vorhalten, um eine professionelle Praxisanleitung und –begleitung für alle dort
eingesetzten Auszubildenden zu gewährleisten.- Die Mentoren sollten als solche qualifiziert und geübt sein und andere
Pflegefachkräfte des Bereichs in die Ausbildung einbinden. Praxisanleitung muss für
Pflegefachkräfte attraktiv und vorteilhaft gestaltet werden. Anleitung muss als
zentrale, besonders wichtige Aufgabe statt als Zeitfresser und zusätzliche Belastung
gesehen werden.- Schließlich: Auf lange Sicht erzeugt die Investition in Mentoren hoch qualifizierte neu
ausgebildete Pflegefachkräfte. Dies wird nicht nur der Patientensicherheit zugute
kommen, sondern ausschlaggebend sein für eine gute Qualität der
Gesundheitsversorgung insgesamt.
Quelle: DBfK (PDF), Junge Pflege
Übersetzungen von Johanna Knüppel, Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V., Berlin
*Anmerkung:
In den meisten europäischen Ländern wird die Ausbildung in der Pflege durch ein Studium realisiert. Es sind nicht die hierzulande bekannten Studenten der Pflegewissenschaft und -management gemeint.


[...] Schlechte Ausbildung, miserable Arbeitsbedingungen und unzureichende Bezahlung sorgten in den letzten Jahren dafür, daß hier und da Bewerberzahlen sanken. Meistens ist es jedoch so, daß es eine ausreichende Bewerberzahl gibt, doch die Vorraussetzungen für diesen Beruf nicht mitgebracht werden. Immer häufiger ist die Krankenpflegeausbildung der Notnagel auf der Suche nach einer Stelle. Darüber hinaus gibt es immer weniger hochqualifizierte Pflegende, die z.B. Stellen auf Intensivstationen, im OP und anderen Funktionsbereichen besetzen können. Ich kenne Krankenhäuser, die inzwischen ihre Kapazitäten auf den Intensivstationen oder im OP herunterfahren mußten, weil sie nicht über die erforderliche Zahl an Pflegekräften verfügen. [...]
Who cares? « mitunter
19. Aug 09 um 13:04