Archiv vom ‘gesundheit’ Tag
Verschiedene Auffassungen von Gesundheit
Im Allgemeinen beschäftigen sich viele Menschen mit ihrer Gesundheit, sobald sie krank sind. Zwar mag die These in den letzten Jahren ins Wanken geraten sein, denn im Zuge einer besseren Aufklärung und eines wachsenden Bewußtseins hat der Wunsch, sich fit (gesund "und schön") zu halten bei den meisten Menschen Einzug gefunden. Nichts desto trotz heißt immer noch ein sehr häufig gelebtes Konzept "Gesundheit ist die Abwesenheit von Krankheit". Besonders stark wird diese Auffassung übrigens von den unteren sozialen Schichten vertreten, was bestehende Probleme verstärkt.
Denn der Knackpunkt ist: Direkt verbunden mit einer bestimmten Auffassung von Gesundheit ist das Gesundheitsverhalten eines jeden einzelnen. Es kann besonders stark bis pathologisch ausgeprägt oder gar nicht vorhanden sein – in jedem Fall beeinflußt es das eigene Leben enorm und in diesem Moment ist es eigentlich müßig, dafür zu werben, ein paar Gedanken dazu zu investieren – es lohnt sich.
Beispielhaft seihen hier zunächst einige sehr populäre Auffassungen/ Konzepte zur "Gesundheit" vorgestellt:
Mens sana in copore sano – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Antike
Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheiten und Gebrechen. WHO
Gesundheit ist die Fähigkeit, lieben und arbeiten zu können. S.Freud
Gesundheit ist das geordnete Zusammenspiel normaler Funktionsabläufe und des normalen Stoffwechsels. Schulmedizin
Gesundheit ist ein Weg, der sich bildet, indem man ihn geht. Schipperges, Medzinhistoriker
Gesundheit kann definiert werden als der Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums für die Erfüllung der Rollen und Aufgaben, für die es sozialisiert worden ist. Parsons, Soziologe
Gesundheit heißt, man muß sich wohlfühlen, sich frei bewegen können, guten Appetit haben, normal in seinen Funktionen sein und daher keinen Arzt aufsuchen müssen. Gandhi
Hier werden bereits verschiedene Nuancen deutlich und man kann erahnen, was die jeweilige Auffassung von der Gesundheit mit dem Menschen macht, wie sie ihn in seinem Leben und seinen Zielen beeinflußt. Herkunft, Erziehung, Geschichte und Bildung führen zu sehr unterschiedlichen subjektiven Gesundheitskonzepten. Die Prozentangaben der vier häufigsten veranschaulichen die Verbereitung in der Bevölkerung und beruhen auf nicht repräsentativen Umfragen von FALTERMEIER (1994) und CLAUDINE HERZLICH (1973):
1. Gesundheit als Gleichgewicht oder Wohlbefinden (ca. 42%)
2. Gesundheit als Vakuum – Abwesenheit von Krankheit (ca. 37%)
3. Gesundheit als funktionale Leistungsfähigkeit (ca. 30%)
4. Gesundheit als Reservoir an Energie (ca. 28%)
So annehmbar sie zum Teil vielleicht erscheinen, bergen sie jedoch gewisse Gefahren in sich. Sie sind jeweils sehr einseitig und nicht immer in der Lage, den Anforderungen des Lebens standzuhalten. Ist das der Fall, kommt es zu einer tiefen Krise. Auch die wissenschaftlichen Definitionen (z.B. Parsons) scheinen aus ihrem monodisziplinären Blickwinkel das komplexe Thema nicht ausreichend beleuchten zu können. Da erscheint mir eine die Beschreibung des Begriffs von Prof. Annelie Keil, Bremen viel umfassender und praktikabler zu sein:
So wie Ebbe und Flut am Rande des Meeres eine Linie zeichnen, so sind Gesundheit und Krankheit Übergänge und Gradunterschiede, Arten des Daseins, die immer wieder neu und gestaltend-verändernd unseren Lebenslauf durchziehen. Gesundheit und Krankheit sind Ausdruck von Lebensbewegungen. Sie beschreiben den Zustand eines Lebens. Sie sind, wie Vorder- und Rückseite einer Medaille, stets miteinander verbunden und nicht als Gegensätze voneinander getrennt. Gesundheit ist nicht, sie wird. Sie kommt und geht.
Das nehme ich gerne mit, denn aus meiner Arbeit mit Gesunden und Kranken weiß ich, daß diese Einstellung in guten wie in schlechten Zeiten geeignet ist, eine gewisse Festigkeit sich selbst und den nächsten Angehörigen gegenüber zu behalten – da schwingt sehr viel Lebenserfahrung mit.
Link: A. Keil Über die Inszenierung des Lebens in der Krankheit
Keine Kostenexplosion
Wie konstant die Gesundheitsausgaben in Deutschland geblieben sind, macht die nachstehende Grafik deutlich. Von einer Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu sprechen ist faktisch falsch, da die Ausgaben immer in Zusammenhang mit der Volkswirtschaft betrachtet werden müssen.

Ausgaben Gesundheitswesen internationaler Vergleich
Ein Überblick über die Geldströme im Gesundheitssystem bietet das Flash-Poster von imedo.de.
