Archiv vom ‘krankenpflege’ Tag
Reform der Ausbildung dringend notwendig
So wie der DBfK begrüße auch ich, die geplante Zusammenführung der Ausbildung Pflegeberufe (Altenpflege, Kinderkrankenpflege, Krankenpflege) im Koalitionsvertrag. Das bisherige Modell ist nicht mehr zeitgemäß und hat, auch mit Blick auf die Ausbildung in anderen europäischen Ländern, ausgedient.
Unterdessen drängt der DBfK (mit anderen Verbänden) darauf, der Reform der Ausbildung höchste Priorität zukommen zu lassen und kritisiert das Vorgehen der Politik, den “miserablen Rahmenbedingungen in denen Pflegende arbeiten” mit Absenkung der Zugangsvoraussetzungen und vermehrtem Einsatz von Hilfskräften zu begegnen.
Wir benötigen genau das Gegenteil:
Mehr Menschen mit höheren Qualifikationen und deshalb eine andere Ausbildung.
Der DBfK fordert deshalb
- Die Zusammenführung der drei Pflegefachberufe zu einem neuen Beruf mit einer Berufsbezeichnung und Freizügigkeit innerhalb der EU im Sinne der EU-Richtlinie 36/2005 als Kern der Reform. Dabei sind unterhalb dieser Gemeinsamkeit Schwerpunktbildungen unterschiedlichster Art vorstellbar.
- Die regelhafte Möglichkeit, die Ausbildung auch an Hochschulen durchführen zu können. Dass der Bedarf da ist, belegen mehr als 15 Modell-Studiengänge für die Erstausbildung an Hochschulen und die Gründung des Gesundheits-Campus in NRW.
- Die Ausbildung in das staatliche Bildungssystem (Hochschulen oder Höhere Berufsfachschule nach Landesrecht) zu integrieren. Das bedeutet vor allem die Lösung der Ausbildung(-sstätten) von den Krankenhäusern.
- Horizontale und vertikale Durchlässigkeit der Bildungsangebote, d.h. mit jedem Abschluss wird u.a. der Zugang zur nächsten Bildungsebene eröffnet.
Die Petition gegen den Abbau von Qualität in der Pflege und die Absenkung der Zugangsvoraussetzungen befindet sich in der parlamentarischen Prüfung und wird vorraussichtlich 2010 bearbeitet. Sie wurde von mehr als 50.000 (inkl. Listen) gezeichnet. Bis zum Abschluß der Bearbeitung können Unterstützer noch die Mitzeichnerliste (PDF) unterschreiben.
DBfK fordert andere Prioritätensetzung in der Politik
Die befragten Bürgerinnen und Bürger, immerhin künftige Kunden, haben den bisherigen Strategien von Politik und Trägern eine deutliche Absage erteilt. Den Pflegepersonalbedarf einerseits durch Absenkung des Eingangsbildungsniveaus zur Pflegeausbildung, andererseits durch immer mehr nicht oder niedrig Qualifizierte zu decken ist nicht das, was pflegebedürftige Menschen wollen und brauchen.
Johanna Knüppel in einer Pressemeldung des DBfK
DPR fordert Maßnahmen gegen Pflegekrise
In einer Pressinformation fordert der Deutsche Pflegerat die in Koalitionsverhandlungen befindlichen Parteien CDU/CSU und FDP auf, ihr Augenmerk auf die seit Jahren drängenden Probleme der Pflege (Pflegende und zu Pflegende) zu legen.
Der Druck auf die Pflegfachkräfte war nie so groß wie heute. Durch die
schlechten Arbeitsbedingungen, die chronische Überlastung und die fehlenden
Perspektiven droht die Versorgung durch Pflegefachkräfte in Krankenhäusern,
Pflegeheimen und der ambulanten Pflege wegzubrechen. … Die Probleme der Pflegeberufe seien
vielfach dokumentiert, der Spardruck sei überproportional auf dem Rücken
der Pflegefachkräfte abgeladen und die Warnungen der Berufsverbände seit
Jahren ignoriert worden.
Andreas Westerfellhaus, Präsident des DPR
Um bestehende und drohende Versorungslücken zu schließen sei es dringend nötig, in den Pflegeberufen neue Perspektiven zu schaffen.
Anmerkung des Autors: Wenn wir es nicht schaffen, die Ausbildung zu reformieren, für Mitbestimmung auf politischer Ebene zu sorgen, das Kranken- und Altenpflegegesetz zu reformieren, die pflegenden Berufe zusammenzuführen und eine Pflegekammer einzurichten, um so das Niveau der Pflege in Deutschland auf das europäische anzuheben, werden wir retrospektiv den Pflegenotstand in den 60er und 70er-Jahren als Sturm im Wasserglas betrachten.
Berufsbelastung und Arbeitsbedingungen in der Krankenpflege
Das aktuelle Ergebnis des Statistischen Bundesamtes bestätigt die subjektiv wahrgenommene Einschätzung der meisten Pflegenden in Deutschland:
Unsere Betrachtung zeigt, dass Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger besonderen Belastungen ausgesetzt sind. Die Ergebnisse der Untersuchung können wie folgt zusammengefasst werden: Steigende Patientenzahlen und Verkürzungen der Verweildauer in Krankenhäusern führen bei gleichzeitigem Pflegepersonalabbau zu einer Arbeitsverdichtung. Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2007 sind Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger bezogen auf Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsarbeit sowie Nachtarbeit besonders stark belastet. Es wurde weiter deutlich, dass diese Berufsgruppe besonders häufig unter arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen leidet. Zudem ist ihre Tätigkeit im besonderen Ausmaß durch schwierige Körperhaltungen, Bewegungsabläufe oder Hantieren mit schweren Lasten sowie Zeitdruck und Arbeitsüberlastung gekennzeichnet.
Markante Eckdaten aus dem Jahr 2007 sind
- mit 712 000 Beschäftigten stellten Gesundheits- und Krankenpflegerinnen/-pfleger die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen dar
- davon 490 000 in Krankenhäusern und 98 000 in ambulanten Einrichtungen
- der Frauenanteil betrug 85%
- die Gesamtzahl der Beschäftigten ist durch Teilzeit in 10 Jahren um 5% gestiegen – bei einem Abbau der Vollzeitstellen um 12%
Quelle: Statistisches Bundesamt : 2009
Was ist professionelle Pflege?
Nachdem die Klärung der Frage “Was ist Pflege” und die Suche nach einem einheitlichen Pflegebegriff noch immer nicht ganz abgeschlossen scheint, schließt sich auch oft die Frage “Was ist professionelle Pflege” an, was unterscheidet sie z.B. von der Laienpflege.
Dr. Hildegard Entzian knüpfte diese Eigenschaft recht treffend an 5 Aspekte:
Professionelle Pflege zeichnet sich aus durch:
- eine stellvertretende Deutung der Pflegesituation
- die Kombination aus wissenschaftlichen und verstehenden Kompetenzen
- den professioneller Habitus
- Achtung und Schutz der Autonomie und der Erhalt größtmöglicher Selbstbestimmung
- Regeln des Verhaltens im Umgang mit der Privatsphäre und beruflichen Nähe/Distanz
